Der Münstertäler Julian Schelb hat am dritten Tag des Rothaus Bike Giro Hochschwarzwald mit seinem Sieg im Einzelzeitfahren das Gelbe Trikot vom Tages-Zweiten Simon Stiebjahn übernommen. Auf den 10,1 Kilometer am Feldberg war Schelb sechs Sekunden schneller als Stiebjahn und 13 Sekunden vor Sascha Weber. Bei den Damen holte sich Olympiasiegerin Sabine Spitz ihren ersten Etappensieg, sieben Sekunden vor Samara Sheppard aus Neuseeland und 42 Sekunden vor Robyn de Groot aus Südafrika, die ihre Gesamtführung verteidigte.
„Julian gewinnt.“ Sascha Weber (Maloja-Rocky Mountain) hatte das Zeitfenster im Blick, innerhalb dessen Simon Stiebjahn (Team Bulls) die Ziellinie hätte passieren müssen, um einerseits die Etappe zu gewinnen und andererseits sein Leader-Jersey zu verteidigen. Der Tages-Dritte aus Freiburg hatte Recht. Es verrannen aus der Sicht des Titelverteidigers sechs Sekunden zu viel. „Es war zäh heute“, gestand Stiebjahn nachdem er wieder zu Atem gekommen war.

Aber auch Julian Schelb hatte über die 23:18 Minuten Siegerzeit seine Krise. „Am ersten Berg war ich eigentlich zu schnell und oben im Gegenwind hatte ich schon dicke Beine“, so der Deutsche Marathon-Meister. Und später, als es zum Herzogenhorn hinauf ging, dachte er noch mal „meine Beine explodieren.“ Doch er überstand diese Momente und ließ es auch Berg ab „ziemlich laufen“, wie er sagte. Mit seinem zweiten Etappensieg übernahm er die Gesamtführung von Simon Stiebjahn. Allerdings sind es nur fünf Sekunden Vorsprung und auch Sascha Weber hat als Dritter nur 36 Sekunden Differenz. „Es ist alles sau knapp“, meinte Schelb, „wir sind alle auf gleichem Niveau. Morgen könnte es passieren, dass wir an der Skibrücke noch zusammen sind. Aber immerhin muss ich nicht vor Stiebi ins Ziel kommen.“ Sascha Weber hatte 13 Sekunden Differenz und sich während des Zeitfahrens immer an dem vor ihm gestarteten Tschechen Tomas Visnovsky orientiert, weil der in der Gesamtwertung nur wenige Sekunden hinter ihm lag. Weber stoppte immer wieder die Zeit und sah sich schon mal 40 Sekunden vor Visnovksy, der eine Minute vor ihm ins Rennen gegangen war. Am Ende waren es 26 und Weber war zufrieden. „36 Sekunden nach vorne, 32 Sekunden nach hinten“, rechnete der aus St. Wendel stammende Wahl-Freiburger, „und morgen kommt ein langer Berg.“ Er meinte die zehn Kilometer von Todtnau zum Herzogenhorn. Ein Terrain, das ihm inzwischen ganz gut liegt. Tatsächlich ist das Rennen vor den letzten 47,2 Kilometer mit Start und Ziel am Feldberg völlig offen. Selbst der Slowake Tomas Visnovsky (Ceska Sporitelna-Accolade) ist mit 1:08 Minuten Differenz noch nicht aus dem Rennen um den Gesamtsieg.

Damen: Spitz fühlt sich selbst und de Groot sieht Sternchen

Bei den Damen sind die Fronten etwas klarer, auch wenn Robyn de Groot beim Einzelzeitfahren Zeit einbüßte. 42 Sekunden, um genau zu sein. Damit war sie Tages-Dritte, hinter Sabine Spitz (Wiawis Bikes) und Samara Sheppard (Port Nicholson Cycling), die nur sieben Sekunden auf die Olympiasiegerin aus Murg-Niederhof verlor.

„Ich muss sagen, heute habe ich mich wieder selber gefühlt“, kommentierte Sabine Spitz ihren ersten Etappensieg. „Die kurzen Belastungen sind von früher noch drin“, sagte sie und spielte da auf ihre Cross-Country-Vergangenheit an. Zuletzt hätte sie nicht die Leistung abrufen können, die sie von sich gewohnt sei. Warum das so ist, darüber rätselt sie aktuell noch. „Heute hatte ich das erste Mal wieder richtig Druck auf dem Pedal“, meinte die 47-Jährige. In der Gesamtwertung bleiben allerdings noch 4:51 Minuten Rückstand auf Robyn de Groot (Dormakaba). Für die Marathon-Spezialistin und ehemalige Straßenfahrerin ist eine so kurze Distanz und noch dazu gleich mit Vollgas in einen Anstieg hinein, ungewohntes Terrain. „Ich habe schon am ersten Berg Sternchen gesehen“, meinte die Südafrikanerin lachend, „es war ziemlich hart und Sabine ist in der Lage sehr gleichmäßig zu fahren und (in den technischen Passagen) die richtigen Linien zu treffen.“ Das mag das Kriterium gewesen sein auf diesem nicht einfachen Kurs, in dem es phasenweise extrem steil nach oben ging. Samara Sheppard liegt vor der finalen Etappe im Hochschwarzwald mit 10:32 Minuten Rückstand auf Rang drei.

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